Geduld und Resilienz – warum echte Veränderungen Zeit brauchen
Inhaltsverzeichnis:
Ungeduld mit uns selbst
Geduld ist nicht meine Stärke. Zumindest bei mir selbst. Wenn ich in meinem Kopf ein Ziel festgelegt habe, die Schritte, die es braucht, um dieses Ziel zu erreichen, klar definiert habe, dann wundere ich mich immer, warum ich eigentlich nicht schon längst an meinem Ziel angekommen bin. Kennst du das? Es ist doch alles schon so klar! Warum dauert es denn jetzt bitte so lange?
Der Unterschied zwischen uns und anderen
Bei Anderen ist es so viel leichter, eine objektive Perspektive zu behalten. Meinen PatientInnen erkläre ich immer wieder, dass Veränderungen nicht über Nacht geschehen. Dass Gewohnheiten, die wir uns über Jahre – womöglich Jahrzehnte – angewöhnt haben, nicht von einem Tag auf den anderen verschwinden. Aber bei uns selbst – da gelten andere Maßstäbe. Wir erwarten aus irgendeinem Grund, dass wir übermenschlich sind und von heute auf morgen ein neues Leben haben – jetzt, da wir doch so gute Vorsätze haben und doch alles so richtig machen wollen. Warum lassen die Ergebnisse bloß auf sich warten? Wir gehen ins Fitnessstudio und wundern uns, warum wir nach 2 Wochen noch immer keinen Sixpack haben…
Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht
Mit einem Schritt zurück, ist die Antwort ganz klar: Das Gras wächst auch nicht schneller, nur weil man daran zieht. Ein Samen, den man in die Erde pflanzt, wird nicht innerhalb von einer Woche herrliche Früchte tragen. Ein Obstbaum zum Beispiel braucht Jahre, bis er die ersten Früchte trägt.
Resilienz braucht starke Wurzeln
Bei Eintagsfliegen geht alles viel schneller. Aber wollen wir Eintagsfliegen sein? Ich denke nicht. Wir wollen stark und kräftig sein, den Unwettern des Lebens standhalten, mit kräftigen Wurzeln und herrlichen Früchten. Das nennt man heute Resilienz.
Resilienz kommt nicht über Nacht. So wie ein Baum, den man heute pflanzt, nicht morgen einem Sturm widerstehen kann, so können neue Vorsätze nicht morgen der ersten Krise widerstehen. Unsere Vorsätze und neuen Gewohnheiten müssen sich erst verwurzeln. Sie brauchen Zeit und Pflege, um zu starken Pflanzen zu werden. Vielleicht hier und da auch eine Stütze, um bei Unwettern nicht entwurzelt zu werden. Mit der Zeit werden sie stark und groß und brauchen auch keine Stützen mehr. Aber wie gesagt: Mit der Zeit!
Unsichtbares Wachstum
Frisch eingepflanzte Pflanzen wachsen übrigens erstmal unterirdisch – unsichtbar für das menschliche Auge! Sie wissen instinktiv, dass sie erst ein stabiles Wurzelwerk brauchen, bevor sie sich der Sonne entgegenstrecken können. Bei uns ist das nicht anders.
Wenn wir uns für Veränderungen entscheiden, dann dürfen wir uns selbst immer wieder an die Pflanzen erinnern. Bevor wir die Ergebnisse einer Veränderung in unserem Leben sehen, müssen sich Wurzeln bilden. Wurzeln, die uns die Möglichkeit geben, sichtbar zu wachsen.
Der Schlüssel heißt Durchhaltevermögen
Der aus meiner Erfahrung größte Schlüssel zu Erfolg – egal in welchem Bereich – ist Durchhaltevermögen. Wir alle erleben Rückschläge, Schwierigkeiten, Herausforderungen. Diejenigen, die trotzdem weitermachen, werden irgendwann erfolgreich sein mit ihrem Vorhaben!
Wenn du also einen Baum sähst, dann lehn dich zurück und schau ihm beim Wachsen zu. Gieße ihn und gib ihm die Unterstützung, die er braucht, um groß und stark zu werden. Und irgendwann wird er herrliche Früchte tragen. Garantiert!

