Schwierigkeiten bei der Ernährungsumstellung

Ernährung ist mehr als Nährstoffe und Kalorien

Unsere Ernährung ist sehr viel mehr als das Zuführen von Nährstoffen. Sie verkörpert Zugehörigkeitsgefühl, Tradition, erfüllt emotionale Bedürfnisse. Sie wird sowohl von unserer Ursprungsfamilie geprägt als auch von dem persönlichen Umfeld, in dem wir uns unser Leben lang bewegen.

Wenn wir uns in der Pubertät von unserer Ursprungsfamilie lösen, entwickeln sich zum ersten Mal ganz eigene Nahrungsmuster. Mahlzeiten werden nicht mehr von unserer Mutter, oder der Person, welche für die Mahlzeiten verantwortlich war, eingekauft und zubereitet. Wir verbringen mehr Zeit außerhalb der familiären 4 Wände, mit unseren Freunden oder mit in der ersten Beziehung. Man ernährt sich „unterwegs“. Beginnend beim Energy-Drink auf dem Weg in die Schule, der Topfengolatsche in der Pause, über die Extrawurst Semmel mit Softdrink am Mittag und womöglich noch ein Fast-Food-Restaurant am Abend.

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass solche Gewohnheiten ein Übermaß an Weißmehl und Zucker beinhaltet. Feuchte-Hitze Syndrome, wie man das in der TCM nennt, erkennbar durch die weit verbreitete Pubertätsakne, haben unter diesen Voraussetzungen ein leichtes Spiel.

Der Schritt ins Berufsleben erleichtert eine bedarfsgerechte Ernährung meist nicht. Deshalb fehlt subjektiv die Zeit, sich mit der Wahl, Beschaffung und Zubereitung von gesunden Mahlzeiten zu beschäftigen. Der Griff zu Fertiggerichten fällt leicht, während die Zusatzbelastung des selbst Kochens subjektiv eine unüberwindbare Hürde darstellt.

Essen als Trostpflaster

Insbesondere unser emotionales Verhältnis zu Essen lässt die besten Vorsätze schnell vergessen. Wenn wir uns jemanden wünschen, der uns tröstet oder wir einen Stimmungsaufheller brauchen, sind Süßigkeiten ein weit verbreitetes Trostpflaster.

Das Eis, wie es mir meine Oma immer gekauft hat; die Chips, die ich mit Papa immer vor dem Fernseher gegessen habe; das Stück Kuchen, welches mich an viele glückliche Momente im Kreise von lieben Menschen erinnert.

Wenn wir uns emotional unstabil fühlen, greifen wir allzu gerne zu Lebensmitteln, die uns Besserung versprechen. Brauchen wir Trost, sind es oft genau diese Lebensmittel, die wir wählen. Da ist jeder gute Vorsatz innerhalb von Sekunden wegargumentiert – sollten wir uns überhaupt noch an ihn erinnern. Danach schämen wir uns oft für unseren wiederholten Ausrutscher. Und anstatt es als solchen zu betrachten, werfen wir gleich komplett das Handtuch.

Warum der erste Erfolg oft trügerisch ist

Schafft man allerdings die ersten Schritte, bewirkt dies immer eine Verbesserung des Gesundheitszustandes. Beginnt man dann aber diese Besserung zu spüren, sind beispielsweise die Schmerzen deutlich besser, das Hautbild schön und klar, die Beweglichkeit der Gelenke zum Großteil wiedererlangt, die Verdauung hervorragend, fängt man an „schleißig“ zu werden.

Man sieht die Dringlichkeit nicht mehr so sehr, etwas nachhaltig zu verändern. „Es geht mir doch gut!“ Und in kürzester Zeit haben sich die alten Muster wieder eingeschlichen. Die Beschwerden kommen zurück. Es ist bedauerlich und eine verlorene Chance, wenn KlientInnen sagen, sie hätten ja eine Ernährungsumstellung versucht, aber es habe ihnen nicht geholfen. „Eine Ernährungsumstellung ist einfach nichts für mich. Ich kann das nicht.“

Die Erkenntnis, dass chronische Krankheiten nicht mit kurzfristigen, zeitlich begrenzten Veränderungen für immer zu beseitigen sind, scheint für viele Menschen nicht greifbar.

Ernährungsumstellung: kleine Schritte statt radikale Brüche

Diejenigen hingegen, die sehen, wie gut ihnen eine Ernährungsumstellung tut, die aber bisher an der Umsetzung im Alltag scheitern, brauchen kleine, gut verdaubare Schritte, die sich leicht umsetzen lassen.

Eine radikale Umstellung ist für die meisten Menschen nur kurzfristig machbar. Deshalb halten nur wenige Menschen eine radikale Ernährungsumstellung langfristig durch. Schafft man es als BeraterIn hingegen, die persönlichen Vorlieben in die Umstellung geschickt zu integrieren, und verpackt die Schritte in kleine Pakete, so steigen die Erfolgschancen.

Die Erfolgserlebnisse motivieren weiterzumachen. Außerdem zeigt sich dabei, was besonders schwierig ist oder womit man kaum zurechtkommt. Hier ist es nötig als BeraterIn viele verschiedene Alltagstipps parat zu haben, aus denen die KlientInnen das für sie passende auswählen können.

Besonders wichtig ist die Begleitung in der Übergangsphase zwischen dem Zeitpunkt, an dem das akute Unwohlsein verschwunden ist, die neue Ernährung aber noch nicht 100% zur Gewohnheit wurde. Hier werden KlientInnen oft nachlässig und verfallen schnell in die alten bzw. schlechten Gewohnheiten.

Warum es individuelle Lösungen braucht

Da unser aller Leben sehr verschieden sind, reicht es nicht das warme Frühstück zu propagieren. Es braucht als Erstes ein Verständnis, was das Gegenüber morgens gerne isst: süß oder salzig?

Wie viel Zeit hat die Person: ist sie alleinstehend oder muss morgens noch die ganze Familie versorgt werden? Ist die Person berufstätig? Wann beginnt der Arbeitstag? Um welche Art von Arbeit handelt es sich? Am Schreibtisch sitzend oder in Bewegung?

All diese Komponenten sollten klar sein, bevor man Tipps und Rezepte kommuniziert, die ein warmes Frühstück ermöglichen. Eine berufstätige Mutter, die morgens kaum bis keine Zeit hat, braucht schnell Rezepte wie zum Beispiel Flocken, mit heißer Flüssigkeit aufgegossen, je nach Geschmack Kraftbrühe oder (Pflanzen-)Milch; eine Handvoll Nüsse, Sprossen oder Tofu drüber – fertig.

Auch die Beratung rund um die Umsetzung sollte nicht zu kurz kommen. Geeignete Behälter, in denen man das warme Frühstück mitnehmen kann, sind eine große Hilfe. Denn die besagte Mutter wird sich vermutlich nicht morgens an den Tisch setzen und in Ruhe ihr Congee frühstücken. Im Büro hingegen aus dem Thermobehälter eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen, ist eher machbar.

FAQ: Häufige Fragen zur Ernährungsumstellung
Wie fange ich mit einer Ernährungsumstellung an?

Starte mit kleinen, realistischen Schritten. Überlege, welche Mahlzeit du am einfachsten verändern kannst – zum Beispiel das Frühstück. Wähle eine Variante, die zu deinem Alltag passt, statt sofort alles umzukrempeln.

Warum fällt die Ernährungsumstellung so schwer?

Essen ist stark mit Emotionen und Gewohnheiten verknüpft. Süßigkeiten, Fast Food oder bestimmte Snacks geben kurzfristig Trost oder Energie. Deshalb braucht es Strategien, um nicht nur den Körper, sondern auch das Gefühl zu versorgen.

Wie bleibe ich langfristig dran?

Erfolgserlebnisse in kleinen Schritten sind entscheidend. Wenn du spürst, dass sich Verdauung, Haut oder Energie verbessern, bleibst du motiviert. Wichtig ist auch Begleitung in der Übergangsphase – sonst schleichen sich alte Muster schnell wieder ein.

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